fufu’s blog – über alles und nichts

mal wieder neu – mal wieder wild … Über Fussball, Aufgeschnapptes und alles andere, das bewegt.

Die bösen Killerspiele 12 März, 2009

Gespeichert unter: Gesellschaft, Nachrichten, politik — amazingfufu @ 12:47
Tags: ,

Das ganze Thema beginnt irgendwie schon zu nerven, weil gestern den ganzen Tag und den ganzen Abend die Medien voll davon waren und sogar die Wirtschaftskrise mal kurzzeitig aus der Berichterstattung verschwand!.

Es geht primär fast gar nicht mehr um den Amoklauf selbst, sondern darum, ob „Killerspiele“ für den PC der Auslöser sind für solche Taten.

Egal wo man gestern hinschaltete, überall gab es Sondersendungen, überall mit dem gleichen Thema, nur mit anderen Gesprächs- und Diskussionsteilnehmern. Es hat keinen Tag gedauert, bis wieder blind auf die „gewaltverherrlichenden Computerspiele“ eingedroschen wurde.
Keine Frage, es gibt Spiele, die gehören nicht auf den Markt und es gibt Spiele, deren Altersfreigabe strittig sind. Hinzu kommt die nicht-immer-vorhandende Verantwortung von Verkäufern, die Jugendlichen Spiele aushändigen, die sie noch gar nicht kaufen dürften.
Vor einiger Zeit hatte Ursula von der Leyen vorgeschlagen, Elektronikmärkte zu kontrollieren, indem man jugendliche Testkäufer in Begleitung des Ordnungsamtes losschickt und ausprobiert, ob die Minderjährigen Computerspiele verkauft bekommen, für die sie eigentlich noch zu jung sind. Eine Welle der Empörung ging durch die Parteien und einige Teile der Bevölkerung, dass solche „Tests“ unverantwortlich seien, dass man Jugendliche nicht missbrauchen darf für so etwas und soweiter und sofort. Da Counterstrike eine USK von 16 Jahren hat, hätte das für den Amoklauf von Stuttgart keine Rolle gespielt, wären diese Kontrollen eingeführt worden. Oder vielleicht doch? Wie lange spielte der Täter schon CS? Vielleicht auch minderjährig gekauft? Man weiß es nicht.
Wenn man den Verkauf solcher Spiele kontrollieren will, dann wird man um eine Test-Kauf-Regelung nicht herumkommen. Ich sehe keinen anderen Weg, außer diesen, um die Kompetenz und Verantwortungsbereitschaft der Verkäufer und Märkte zu testen und zu kontrollieren. Nicht umsonst haben Spiele und Filme eine Altersfreigabe (auch wenn diese manchmal strittig ist) und schließlich kann ein Kneipenwirt auch seine Lizenz verlieren, wenn er Alkohol an Minderjährige ausschenkt und erwischt wird. Warum soll diese Kontrolle nicht auch bei so etwas möglich sein?

Unabhängig davon wird wieder viel Trara um Verbote gemacht. Doch was bringt es, Computerspiele dieser Art zu verbieten? Wo zieht man die Grenze? Ist also ein Ballerspiel, in dem man Aliens über den Haufen bollert genauso gewaltverherrlichend und „gefährlich“? Was ist mit World of Warcraft? Ist es gewaltverherrlichend, auch wenn sich der Spieler in einer Fantasywelt bewegt?
Und selbst wenn, könnte Deutschland nur ein Verbot landesweit aussprechen, was nicht verhindern würde, dass man sich aus anderen Ländern die englische Version eines solchen Spiels kaufen kann, von den Möglichkeiten sich illegal im Internet Zutritt zu verschaffen mal ganz zu schweigen.

Verbote bringen einen nicht weiter, Verbote machen die ganze Sache nur noch interessanter.
Imho müssen andere Lösungsansätze gefunden werden, wie beispielsweise eben die verbesserte Kontrolle des Verkaufs. Eine Verbesserung der USK. Und vielleicht auch eine verbesserte Kontrolle darüber, was für Spiele überhaupt auf den Markt (also generell, nicht nur den deutschen Markt) kommen dürfen. Das ist zumindest der Teil, den man in der Spieleindustrie leisten kann.

Andere Faktoren, die viel entscheidender sind als das Computerspiel, sind doch das soziale Umfeld, die Familie, teilweise auch die Schule.
Dort sollte man nach den Ursachen suchen und nicht primär bei einem Computerspiel. Ein Mensch, der in einem normalen sozialen Umfeld lebt und eine einigermaßen intakte Familie hat, wird mit Sicherheit nicht zum Amoklauf verleitet, nur weil er CS spielt. Warum merken Eltern nicht, wenn sich ihr Kind verändert? Die Eltern sind doch eigentlich diejenigen, die am nähesten dran sind. Ich kann kaum glauben, dass eine Mutter (wenn der Vater schon dauernd arbeiten ist) nicht bemerkt, wenn ihr Kind zum Außenseiter wird. Und noch weniger, dass sie sich nicht darum kümmert. Sind viele Eltern heute vielleicht viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt?
Die Frage, ob Lehrer in der Lage sein müssten, solche Entwicklungen zu erkennen, ist schwer zu beantworten. Lehrer stehen vor der Situation, dass sie 30 Kinder und mehr in einer Klasse betreuen müssen. Wie sollen sie da genügend Zeit für jeden Einzelnen aufwenden? Ist das überhaupt machbar? Und wenn sich jemand immer unauffällig benimmt, wie soll ein Lehrer auf den Gedanken kommen, dass er zum Amokläufer wird? Nicht jeder introvertierte Mensch trägt unkontrolierbare Aggressionen mit sich herum.
Zudem hatte der Amokläufer von gestern 2007 seinen Realschulabschluss gemacht, bestanden und war schon längst von der Schule abgegangen und in einen Ausbildungsplatz gekommen. Hätte da jemand erwarten können, dass er in seine alte Schule geht und Massaker veranstaltet? Es gab ja zunächst kein offensichtliches Rachemotiv gegen die Schule, wie in Erfurt 2002, wo der Knabe wohl durchs Abitur gefallen war, wenn ich nicht schief liege.

Wie dem auch sei, der Kommentar eines Psychologen trifft es ziemlich genau auf den Punkt:
„Die Ego-Shooter sind nicht der Auslöser für einen Amoklauf. Sie bringen nur das in einem Menschen zum Vorschein, was vorher ohnehin schon da war.“

Früher, als es noch keine Videospiele in der Form gab, waren es die Horrorfilme, auf die eingedroschen wurde, heute ist es eben „moderner“.
Aber das kratzt eben nur an der Oberfläche und löst das gesellschaftliche Problem dahinter nicht.

Wer zu dem Thema Web-TV schauen will, dem kann ich die gestrige Sendung von hart aber fair ans Herz legen, immerhin haben die sich die Mühe gemacht und einen Schülersprecher eingeladen, der auch Counterstrike spielt ;)

Link zum Web-TV

 

4 Responses to “Die bösen Killerspiele”

  1. Sar Says:

    Tja, alle Jahre wieder so ein trauriges Thema und jedesmal die gleichen Diskussionen.

    Die Diskussionen mit „killer spielen“ hatte ich damals schon in der Berufsschule mit nem Lehrer nach dem Amoklauf 2002.

    Nach wie vor find ich es eigentlich untragbar den Auslöser für so eine tat auf einen Faktor zu minimieren. Aber es muss natürlich ein Grund her. Und das sind dann halt die Sachen die leicht zu greifen sind wie PC Games, Musik (Heavy Metal… is klar) oder Horror Movies.

    Den Grund im sozialen Umfeld zu suchen ist wahrscheinlich einfach zu kompliziert -_- Ich stimme dir voll zu das es doch eigentlich nicht gehen kann das Elter nicht merken wenn ihr Kind sich über die Zeit komplett ändert. Im grunde muss es doch auch vorher schon Anzeichen gegeben haben das irgendwas nicht stimmt (denk ich zumindest)

    Naja eine ultimative Lösung wird es nicht geben denke ich, die Alterskontrollen fand ich damals schon ne gute idee wobei auch hier wieder strittig ist wie sinnvoll sowas sein kann wenn man doch einfach einen älteren freund bitten könnte dieses Spiel dann zu kaufen.

    Testkäufe find ich ne gute idee, wird ja auch schon viel bei Alkohol und Zigaretten usw gemacht. Warum nicht auch bei Filmen / Games?

    Allerdings darfst du das mit Warcraft nicht zu laut sagen kleene ;) ich meine ein ganz labiler könnte komplett abtreten und sich für den Erzschurken XY aus Warcraft halten und dann in seinem Wahn alles niedermachen wollen…. Was komplette virtuelle Welten angeht wurde ja Second Life schon so ins Fadenkreuz genommen das dort nur Kinderschänder und perverse unterwegs sind. Fakt ist halt das es bei Second Life Adult Sims gibt, ja. Dort hat man allerdings nur nach Alterskontrolle zugang (wie das genau gecheckt wird weiss ich nicht. weiss nur das die kontrollen noch strenger geworden sind) Der rest der SL bevölkerung sind meist leute die ingame irgendwas Bauen, RP spielen oder so weiter.

    Lange Rede kurzer sinn:
    Wenn man was finden will findet man es auch. Allerdings sind die Ursachen nie so offensichtlich und das das bis jetzt immer noch nicht festegestellt wurde ist leider wirklich erschreckend : (

    Sar

  2. tom Says:

    Schlimm nur, dass nun wieder die “killerspiele” ins Zentrum der Diskussion kommen. Dabei hat das ja nichts damit zu tun. Hier beispielsweise ein Artikel einer Seite, die normalerweise NICHT für Shooter einsteht und dennoch Handlungsbedarf sieht:

    http://www.kindgerechte-spiele.de/?p=30

    “Der Weg vom Computerspieler zum Massenmörder ist doch bedeutend länger, als der Weg vom Waffenbesitzer zum Amokläufer.”

  3. Vizekönigin Says:

    Ich hab keine Ahnung von Killerspielen oder sonstigen Computergames, weil ich mich damit noch nie beschäftigt habe. Aber ich glaube, es sind auch keine Killerspiele nötig, wenn man zu Hause quasi ein Waffenarsenal hat. Mir ist nach wie vor schleierhaft, wie man soetwas überhaupt für irgendjemanden zugänglich machen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass er den Amoklauf mit einem Küchenmesser genauso durchgezogen hätte, ist gleich Null. Liegt eine Knarre im elterlichen SCHLAFZIMMER rum, kann die Hemmschwelle ja logischerweise nicht besonders hoch sein..

  4. Matthias Says:

    Wieso Gründe und Ursachen suchen, wenn es viel einfacher ist, alles auf die „Killerspiele“ zu spielen? Ich finde, man sollte Krimis (Killerfilme und Killerbücher) auch sofort verbieten… *augenroll*


Leave a Reply